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Montag, 20. Oktober 2025

Kleine Wiener Alltags-Anekdote


Auf der Donauinsel, Waldwegerl. Sonniger Tag früh im Juli. Kehre von einem leisen Vormittag am Flussufer heim, sandig-geerdet, ein klein wenig durstig. In der einen Hand ein Buch, in der anderen, zwei leere Getränkebehältnisse. Eine Dose, eine Flasche, beide stinken sauer nach heißer Hefe. Müll, den ich in "meiner" kleinen Bucht aufgelesen habe, um sie gemütlicher zu machen. Von einer Laube am Wegesrand, höre ich ein Rascheln und treffe den Blick eines anderen Halbtagsurlaubers. 

Mit einem "Tschuidige", springt er auf seine Füße und hält mir, "magst des mitnehmen?", eine weitere Dose entgegen. 

In meinem ersten, der Hilfsbereitschaft meines Naturells folgenden Impuls, mache ich einen Schritt auf ihn zu. Dann überlege ich mir die gesamte Situation. 

"Na, eigentlich ned", brumme ich zwischen zusammengekniffenen Kiefern. "I hab nur da den Dreck mitgenommen, den andere Leut' liegen lassen haben, weil i leiwand bin." 

"Jo, eben", hat der den Nerv zu sagen, "deshoib." 

"Jo na Danke, des kaunst schee söba mochn."

Und schon hagelt es Verwünschungen, von hinten an meine Ohren, als ich mich zügig weiter bewege. 

"Dann hoid ned, Funsn blede, Hawarie ane blök, blök, blök. Quak, quak, quak."


Ich hätte nicht schlecht Lust, umzudrehen und ihm auch noch ein paar Sachen an den Kopf zu werfen. 


"Heast, Hawara, i ram zsaum, dass der Urt scheena is, owa i hob nix davon, außer an schenan Urt. Es mocht ma ka Freid'"- und wie es nur uns gebürtigen Wiener*innen gegeben ist, wechsle ich - mitten in der Kurve eines Satzes, vom tiefen Meidling in astreines Schönbrunnerdeutsch, "es gefiele mir nicht minder, fände ich die Insel so vor, ein lauschiges Platzerl nur kultiviert berührter Natur, wo ich ein Stündlein oder zwei mich märchenhafter Träumerei erfreuen kann... Is oba ned. Waaßt du, wie viele Tschick ich vom Boden aufg'lesen hab? Wegen genau solche Heisln wie du eins bist, die glauben ihr Mist ist des Problem von andare Leit? Reiß di lieber zsamm und nimm dir ein Beispiel, du mutterloser Hosenscheißer!"


Aber all das, sage ich nicht. Bin ich alt und konfliktscheu geworden? Vielleicht auch das. Insgeheim hege ich aber die Hoffnung, dass 

mein sanfteres Schweigen

mit zärtlicher Kraft größere Lektionen zu lehren vermag. 

Hinterlasse den Ort nur etwas besser, als du ihn vorgefunden hast. 

Sonntag, 6. März 2016

GENIUS - EGOLIBRIUM




In deinen Augen
sehe ich Engel in wallenden Gewändern
wie auf Wellen schaukeln
unsere Geschichte ist ein verfahrenes 
Verfahren wenn ich es ändern wollte,
ich wüsste nicht, wie

In deinen Augen
sehe ich Sonnen mit Schwarzen Löchern, 
hie und da aufblitzen
man nennt mich deine 
Konkubine und das 
findest du dreister als ich
aber das sage ich nicht

In deinen Augen
sehe ich das Licht der Schönheit
all dessen, was ist
du fragst mich nach Namen, 
die ich nicht trage
ich nenne dir einen von zweien

In deinen Augen
sehe ich Sterne
Castor und Pollux, die schwarzen Schafe, 
die dir nachfolgen sollten
sind ausgerissen
in Freiheit umgekommen,
mutmaßt du mir

In deinen Augen
kann ich in Farben fühlen
der Wahnsinn sei vom Ego verschieden,
das eine Behauptung
von philosophischer Tragweite
macht mich schweigend denken

In deinen Augen
glaube ich Musik und an den 
Klang von Wahrhaftigkeit
du siehst Gespenster und erinnerst mich an
sich opfernde Götterkinder

In deinen Augen
bin ich hingegeben an jede Möglichkeit 
die Tore zur Welt stehen uns allezeit offen,
nur manchmal zwingt man den Geist
sie zu durchschreiten da sprichst du
von Angst und Gefahr

In deinen Augen
sehe ich allen Erfindungen
bis auf den Grund und
sehe den Grund der Erfindungen
ich will dir angehören, du nennst uns
verwandt und meinst es nicht so
bloß in Gedanken

Wenn ich in deine Augen schaue, ergibt alles
und nichts gleichviel
ich muss lachen muss überhaupt nicht lachen
über die Routine deiner Meditation
wenn du läufst, sagst du, dann
durch den Wald der Verrückten
und ich will dich lehren, sie zu grüßen

Vielleicht sehen wir uns ja 
wiedermal die Schafe, die Engel, die Sonnen
die Geister unseres Reiches
auf Wellen zu schaukeln
ziehen sie uns an den Haaren herbei.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Heil der Verliererin

Drei Dinge habe ich
in den drei vergangenen Jahren
gelernt, zu leben.

Demut, Hingabe und Verständnis
Ich bin sehr dankbar,
für diese Eigenschau.

Aber meine Lehrmeister
sollten sich was schämen.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Herz voran

Einen Muff-Puffer aus Liebe
werde ich tragen
in allen Winden diesen Winter

Sonntag, 4. Mai 2014





Miss Positive: Sehen Sie mir meine Unruhe nach, ich bin wirklich zu ausgeschlafen.

Herr Professor: Ich nicht. Nach drei durchwachten Nächten verschwimmen die Uhrzeiten. Und bedenken Sie meinen Alkoholisierungsgrad. Aber ich merke, Sie langweilen sich.

Miss Positive: Nein ruhen Sie aus, ich genieße Sie. Darf ich Sie hier so ein wenig streicheln?

Herr Professor: Ein wenig, ja.

Miss Positive: Drei durchwachte Nächte...

Herr Professor: Vorgestern habe ich mir ein Näschen Speed andrehen lassen.

Miss Positive: Ja? So schauen Sie mir nicht aus, dass Sie sich auf so illegale Weise synthetisch Ihr nämliches Näschen pudern. Ich tue das ja nicht. Außer, höchstens hin und wieder, lasse ich mir MDMA angedeihen.

Herr Professor: Ahja. Ist ja ganz was Anderes. Da sind dann alle so lieb miteinander. Und alles ist so schön. Viel schöner als es ist. Sind Drogen nicht der Beweis für die Unzulänglichkeit der Schöpfung?

Miss Positive: Was meinen Sie mit der Unzulänglichkeit der Schöpfung?

Herr Professor: Die große Sehnsucht! Nach der Synthese. Danach, dass es anders ist, als es ist. Das hätte man so gern, dass man sich wiederholt...

Miss Positive: ...sich wieder holt!

Herr Professor: Ich spreche von der Verleugnung dessen, was tatsächlich die Wahrheit ist.



Miss Positive: Was gemeinhin, so im Alltag, als die Wahrheit gilt. Aber das ist sie ja nicht. Wir sind, was was wir sind, weil wir machen, was ist.

Herr Professor: Wir machen, was wir machen, weil wir sind, was wir sind.

Miss Positive: Das wollte ich nicht sagen.

Herr Professor: Nein, das ist das Gegenteil von dem, was Sie gesagt haben.

Miss Positive: Wir machen, was wir sind, weil wir sind, was ist.

Herr Professor: Das Ergebnis ist jedenfalls unzulänglich.

Miss Positive: Unzulänglich unserer Anschauung. Es ist gut dreimal so viel, als von uns gemacht wird. Stellen Sie unsere Gesellschaft ganz ohne Drogen vor. Sich nie dem Rausch und der Synthese hinzugeben. Stellen Sie sich nur gestern Abend ohne Alkohol vor.

Herr Professor: Zugegeben. Ohne Alkohol gäbe es viele Begegnungen nicht. Wir würden vielleicht überhaupt niemanden kennen lernen.

Miss Positive: Wahr! Als ich vier Jahre lang keinen Alkohol getrunken habe, verbrachte ich sechs Jahre in der gleichen Beziehung. Sie sind so groß. Und wohlproportioniert. Aber Ihr Bauch sieht aus, als könne er etwas zu Essen vertragen. Was möchten Sie frühstücken? Leider habe ich nicht viel anzubieten.

Herr Professor: Nichts, danke. Es ist nicht notwendig, dass ich jetzt etwas esse.

Miss Positive: Sie finden Essen überbewertet? Gut. Ich sehe das eigentlich auch so. Sollte man Sie zudecken? Nicht, dass Sie sich noch verkühlen bei mir. Ist diese Decke überhaupt lang genug?

Herr Professor: Nein. Es ist nie etwas lang genug. Ich bin eben so ein großes Gerät.

Miss Positive: Reicht es überall, oder fehlt es jetzt wo anders?

Herr Professor: Es geht. Und bei Ihnen?

Miss Positive: Hier, wenn ich näher an Sie heran komme, ist es gut.

Herr Professor: Gut. So halten Sie jetzt still.


Es ist genug

Wer redet, tritt auf
der Stelle (dem Standpunkt)
Raum, Ausdruck, Luft verschaffend

Eine Bestimmung
Konkretisierung
der Versuch einer Betonierung
in Betonung und Inhalt und Form

die Information
entkoppelt, verortet
multipliziert sich
der Meinung der Rezipierenden.

Zuhören ist produktiver als reden.



Mittwoch, 30. April 2014

Ein Hutschpferd

wie man einsteigt,

schaukelt's einen hoch und nieder

und ehe man bis drei zählen kann,
sich einen Reim drauf machen

ist man hinausgewachsen.


Freitag, 1. November 2013


Bei Allen Heiligen 2013

Wenn es Dämonen gibt,
dann bestimmt solche, die
garnichts davon wissen.
Wer weiß, ist kein Dämon.
Wer weiß, ist ein Gott.

Verwurzeltes Weltwissen geboren
aus Achtsamkeit und
dem Willen zur Erfahrung des Moments
entblättert den Gehalt unter den Schablonen.

Jedes Wesen
wirkt als ein
Kanal bestimmten
Willens (einer Kette von Rechenbefehlen, die Überleben,
Arterhalt und vieles sichern,
was uns noch nicht augenscheinlich
ist am komplexen Evolutionsbefehl)
Dahinter aber tragen universelle
Naturgesetze ihre Schlacht durch die
und jenseits der Zeit aus.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Woher kommt die These?


Wenn ich aufgrund meiner Persönlichkeit und meiner Lebensgeschichte in den Raum werfe:

"Die Menschheit besitzt eine gewisse Tendenz, evolvierende Systeme zu bilden. Daher ist auch die Abweichung und der Bedeutungsverlust mit ein Gesetz des Organismus."

Und einer reagiert:

"Ist das jetzt anthropologisch zu verstehen?"

"Ja, vielleicht. Kulturanthropologisch, vielleicht eher."

Wenn ich also durch meine Filter etwas erkenne, einen Abzug, eine Übersetzung mache und diese Schablone Anderen vors Gesicht halte, und da sagt eineR vielleicht: Ja stimmt, das passt. Dann habe ich ihmR ein neues Werkzeug zur Bearbeitung der Welt gegeben. Wann immer ersie es benützt, sieht ersie fortan durch eine feste Form meiner Vergangenheit. Inwiefern bin ich verantwortlich für die Tauglichkeit meiner These?

vielfühlenvordenken






thoughts are like donkeys - a good servant, but a bad master.
-reminiscence to Alan Watts

Dienstag, 15. Oktober 2013

Die eigentliche Erfindung des Individuums


Weißt du, was echt eine grausame Erkenntnis ist? Dass das Leben eine Sackgasse ist. Also schon auch wieder nicht, man hinterlässt ja etwas. Aber das persönliche Ego, das endet einfach... so oder so.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Es gibt nur eine Totale, und die sind wir alle.



"Weißt, wenn die Leut endlich mal aufhören würden, sich gegenseitig die Schädln einzuschlagen. Im echten Leben zumindest."

"Ja, wenn die Leut endlich aufhören würden, sich für die falschen Ziele die Schädln einzuschlagen."

"Na. Einfach garnicht die Schädln einschlagen."

"Für die falschen Ziele."

"Na. Einfach nicht."

"Nicht? Für garnichts?"

"Dann wär schon ein Stück gewonnen, wenn die Leut einsehen würden, dass man auf das Halbrund da aufpassen muss. Weil man's braucht. Und Respekt haben davor, dass in den anderen Hirnen auch was Wichtiges drin sein könnt. Egal, wer das ist und wie der von außen ausschaut."






Wer denkt, ist nicht wütend. - T.W. Adorno

Donnerstag, 26. September 2013

Es is eine Hetz, mit dem Determinismus

Na sicher ist kein einer

wie ein anderer.

Andernfalls wär ja jeder wie

jeder.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Eigentlich

Die spannendste Frage ist doch: Was ist erfahrbar? Erfahrung erfordert einen Rezipienten. Eine abgeschlossene Einheit. Ein Leben. Das ist so arg, dass es das gibt. Dass das so rumläuft und glaubt, es ist eigen.

Sommerkenntnis

Ich habe heute etwas über die strukturelle Integrität von Mangos herausgefunden.*




*ich schreibe mit nassem Gesicht.


Donnerstag, 16. Mai 2013

ein zeichen sieht man an und denkt: könnte >diese bedeutung< haben



Sachen finden, abklopfen

putzen bis sie glänzen.




herzeigen



dann kommt jemand und sagt:

he aber eigentlich

beanspruche ich das,



weil



und antworten

da nimm



Sonntag, 28. April 2013

spurwechsel


y - ich hab überlegt mein Fahrrad in die Stadt zu holen aber ein Freund hat mir gleich Angst gemacht, er hat gesagt, die Rennräder werden am schnellsten gestohlen. Naja, ich müsste es halt in die Wohnung  stellen und zweimal die Woche gezielt Fahren fahren.

x - zweiter Stock ohne Lift, wird mühsam.

y - nein, das geht schon. Aber zu Terminen damit fahren geht nicht.

x - ich finde, das geht sehr gut.

y - ja und hast du's dann immer im Blickfeld?

x - nein. aber wenn man sich ständig fürchtet, kann man eigentlich gleich sterben gehen. es könnte immer so viel passieren.

y - ja, am besten reglos sitzenbleiben.

...

y - Schau dich um eine neue Wohnung um. Ich hab neulich mit wem über dich geredet, weißt du, in so einem kleinen finsteren Zimmer wird man einfach depressiv.

x - Schön dass immer jeder eine Patentlösung für die Probleme der Anderen hat.

y - vor allem weil du ja tagsüber auch viel zu Hause bist und -  bist du doch, oder?

x - du glaubst dass du grade unheimlich viel sendest, oder? Dass du mir bedeutungsvolle Informationen übermittelst. Dabei reden alle immer nur Müll. Ich werde jetzt anfangen, das aufzuzeichnen, echt. Das vereinzelte Menschendasein im Zeitalter des Individualismus. Keiner ist mehr in der Lage, irgendwie auf den Anderen einzugehen, die richtigen Verknüpfungen und Bezüge herzustellen. Jeder sieht überall nur sich selbst.

...

y: Schönes T-Shirt.

Donnerstag, 25. April 2013

Ich glaube nicht an Kunst


"Und wohin soll Ihr weiterer Weg führen? Werden Sie sich mit Ihrem Werk an Verlage wenden?"

"Nein, ich habe zu lange daran geschrieben. Die Worte sind sinnentleerte Gebilde, die sich nur selbstgerecht werden. Genauso gut könnte ich Mathematik studieren."

"Also hängen Sie die Kunst an den Nagel?"

"Alles ist Kunst."

Hinterm Horizont des Willens


reißt du Fesseln und Felsen aus meinen Fersen die Verse

Fraktale stauben umher -  Schuppenschillern ungeeinigt ereigniseigen 

und dann stehe ich da, nackt

und dumm.



die Zunge zweifelt gespalten

entlang dessen was übrig ist

versagen wir uns zu sehen


ich rausche jenseits der Gedanken

drifte vom Ufer ab, was ich glaubte.

Prinzipien, Paradigmen stürzen, zerbrechen in tosende, tausende Gischtspritzen

verflüchtigen sich

bis klar ist, was bleibt

Du siehst auf den Grund und sagst:

Nichts.



Süßliche Spinnfäden schmiere ich ins kollektive Gedächtnis

mit spuckfeuchten Fingern

mit blinden Flecken

auf reflexionslose Linsen 

und Scherben fehlen an allen Enden - mit denen schneide ich 

Marken des Scheiterns ins Fleisch

- auch Scheite des Merkens

erscheinen in Spiegelverkehr



Du zweifelst, schwirrt mir

an meiner Wirklichkeit von weit weg

kann ich glitzern und heiße Hitze


Von der Ferne kann ich Schiffe versengen-

aus der Nähe ist da nichts von allein der abwesende Betrachter.


Sprachlos vernehme ich was du mir zeigst und eröffnest

und schwärme auf Augenhöhe mit dir für Momente

dem eigenen flüchtigen Wesen nach

musswillich ein Niemand in Nimmerland sein.


Und die Gedanken platzen wie Seifenblasen im Sturm

nimmst du meine Festigung

reißt sie hinauf durch Wolken zur Sonne

und ich schmelze

was übrig ist, klar

ergießt sich versickernd in Welt, die Dämonen brechen

auf und davon und davon und davon

gebunden: Von alleine kommt nichts konzentriert

du denkst - in meinem Kopf - nicht mehr dran.




Montag, 22. April 2013

Kontrollverlust

Ein Knäckebrot hat

heute für mich das Universum verändert.

Es stürzte vom Tisch und widerlegte

das Butterseiten-Theorem.